1986: Produktion der Karosserie des Audi 100/200 (C3/Typ 44)

Überblick: 1986 Audi 100/200 Body Production

In der dritten Generation des Audi 100 und Audi 200 (Baureihe C3, intern Typ 44) verfolgte Audi ein klares Ziel: hohe Karosseriesteifigkeit, außergewöhnlichen Korrosionsschutz und hervorragende Aerodynamik in einem Fahrzeug zu vereinen. Die hier gezeigten originalen Pressefotos von 1986 dokumentieren zentrale Stationen der Karosserieproduktion – von der automatisierten Roboterschweißung über die vollverzinkte Struktur bis hin zu aufwendigen Korrosionstests im Forschungszentrum Ingolstadt.

Die Kombination aus vollverzinkten Blechen, kathodischer Tauchlackierung (KTL), PVC-Unterbodenschutz, Heißwachs-Hohlraumkonservierung und intensiven Dauerbelastungsprüfungen trug entscheidend dazu bei, dass der Typ 44 bis heute für seine Rostresistenz bekannt ist.

Rohbau, Vollverzinkung und Grundstruktur

Ausgangspunkt der Produktion ist die Rohkarosserie: Auf Basis von hochpräzise gestanzten und geformten Blechteilen entsteht der strukturelle Kern des Audi 100/200 Typ 44. Durch konsequenten Einsatz verzinkter Bleche bereits in der Bodenbaugruppe wird der Korrosionsschutz buchstäblich von unten her aufgebaut.

Automatisierter Schweißvorgang am Bodenblech des Audi 100/200 Typ 44 mit Robotern
Automatisierter Schweißvorgang am Bodenblech mit Robotern – präzise Roboterschweißung bildet die Basis der Bodenstruktur.

Schweißroboter übernehmen die wiederkehrenden, strukturell wichtigen Nähte am Bodenblech. Dies sichert eine gleichbleibend hohe Qualität der Verbindungen und verringert Fertigungstoleranzen – eine Voraussetzung für die hervorragende Steifigkeit und die exakte Passung der Anbauteile.

Bodenbaugruppe des Audi 100/200 Typ 44 mit vollständig verzinkten Blechen
Bodenbaugruppe – vollständig verzinkt: Bereits der Unterboden besteht aus beidseitig verzinkten Blechen.

Die Bodenbaugruppe ist vollständig verzinkt. Audi setzte beim Typ 44 großflächig auf beidseitig verzinkte Bleche, um den Unterboden und tragende Strukturen langfristig vor Korrosion zu schützen.

Vollständig verzinkte Karosserie eines Audi 100/200 Typ 44
Die vollständig verzinkte Karosserie des Audi 100/200: Verzinkung als durchgehende Basis des Korrosionsschutzkonzepts.

Die komplette Rohkarosserie profitiert von dieser Vollverzinkung. Zusammen mit der späteren Lack- und Wachsschicht ergibt sich ein mehrstufiges Schutzsystem, das dem Typ 44 im Alltag eine ungewöhnlich hohe Beständigkeit gegen Rost beschert.

Oberflächenbehandlung: KTL, Phosphatierung, PVC und Wachs

Nach dem Zusammenbau des verzinkten Rohbaus folgen mehrere Schritte der Oberflächenbehandlung, die eng miteinander abgestimmt sind. Ziel ist, jede Falz, jeden Hohlraum und jede exponierte Fläche gleichmäßig zu schützen – unter realen Einsatzbedingungen auf salznassen Winterstraßen ebenso wie in feuchtem Klima.

Karosserie des Audi 100/200 Typ 44 beim KTL-Grundieren im kathodischen Tauchbad
KTL-Grundierung im kathodischen Tauchbad: Die Karosserie wird vollständig in das Tauchbad eingetaucht und elektrisch beschichtet.

In der kathodischen Tauchlackierung (KTL) wird die Karosserie komplett in ein leitfähiges Tauchbad eingetaucht. Über eine elektrische Spannung lagert sich der Primer gleichmäßig auch in schwer zugänglichen Bereichen ab – ein wichtiger Baustein des Korrosionsschutzes.

Spülung der Audi 100/200 Typ 44 Karosserie mit Reinwasser nach Zinkphosphatierung
Spülung mit Reinwasser nach Zinkphosphatierung: Rückstände werden entfernt, die Oberfläche für nachfolgende Schichten vorbereitet.

Nach der Zinkphosphatierung, die als Haftvermittler und zusätzlicher Korrosionsschutz dient, folgt eine Spülung mit speziell aufbereitetem Reinwasser. So werden Rückstände entfernt und eine definierte Oberfläche für die KTL und weitere Schichten geschaffen.

Spritzroboter tragen PVC-Unterbodenschutz auf die Karosserie des Audi 100/200 Typ 44 auf
Auftrag von PVC-Unterbodenschutz durch Spritzroboter: mechanisch stark beanspruchte Bereiche werden zusätzlich geschützt.

Anschließend bringen Spritzroboter einen PVC-Unterbodenschutz auf. Dieser schützt besonders strahlen- und steinbeschussgefährdete Bereiche wie Radläufe, Schweller und Bodenbleche.

Heißwachs-Flutung der Hohlräume und Karosseriefugen bei der Audi Typ 44 Karosserie
Heißwachs-Flutung: Eine schützende Wachsschicht wird in Hohlräume und Karosseriefugen eingebracht.

Die Heißwachs-Flutung versiegelt Hohlräume und Falze. Das flüssige Wachs gelangt in Bereiche, die mechanisch nicht erreichbar sind, und bildet dort eine dauerhafte Sperrschicht gegen Feuchtigkeit und Salz.

Rohkarosserie des Audi 100/200 Typ 44 läuft in die Hohlraumkonservierungsanlage ein
Rohkarosserie beim Einlaufen in die Hohlraumkonservierungsanlage: Vorbereitung auf die vollständige Wachs- und Dichtbehandlung.

Die Rohkarosserie durchläuft dazu speziell ausgelegte Anlagen, in denen sie nacheinander konserviert, abtropfen gelassen und weiterverarbeitet wird. So entsteht ein aufwändig geschichteter Schutzaufbau: Verzinkung, Phosphatschicht, KTL, PVC und Wachs bilden zusammen das Korrosionsschutzpaket des Typ 44.

Korrosionsforschung und Dauerbelastungstests in Ingolstadt

Um die Wirksamkeit des Schutzsystems zu überprüfen, wurden Karosserien und Bauteile im Korrosionsforschungszentrum Ingolstadt strengsten Tests unterzogen. Temperaturwechsel, Salz, Feuchtigkeit und mechanische Belastung wurden in unterschiedlichen Kammern gezielt simuliert.

Karosserie- oder Blechteile des Audi Typ 44 in der Salzsprühkammer des Korrosionsforschungszentrums Ingolstadt
Beschleunigte Prüfung – Salzsprühkammer: Dauerhafte Salzbelastung simuliert extrem korrosive Umgebungen.

In der Salzsprühkammer werden die Prüflinge über lange Zeiträume feinem Salznebel ausgesetzt. Dieser beschleunigt die Korrosionsprozesse und erlaubt eine Bewertung des Schutzsystems innerhalb kurzer Testzyklen.

Salzwasser-Besprühung von Karosserieteilen im Korrosionsforschungszentrum Ingolstadt
Beschleunigte Prüfung – Salzwasser-Besprühung: Stoßartige Belastung mit Salzwasser wie im winterlichen Fahrbetrieb.

Die Salzwasser-Besprühung simuliert typische Beanspruchungen auf winterlichen Straßen, wenn Schmutz, Wasser und Streusalz im Radhaus und am Unterboden zusammentreffen.

Klimakammer im Korrosionsforschungszentrum Ingolstadt für Temperatur- und Feuchtigkeitszyklen
Beschleunigte Prüfung – Klimakammer: Wechsel von Temperatur und Luftfeuchtigkeit beschleunigt Alterung und Korrosionsprozesse.

In der Klimakammer werden Temperatur- und Feuchtigkeitswechsel realitätsnah nachgestellt. Hier zeigt sich, wie sich Ausdehnung, Kondenswasserbildung und wiederholtes Austrocknen auf die Karosserie auswirken.

Kältekammer im Korrosionsforschungszentrum Ingolstadt für extreme Minusgrade
Beschleunigte Prüfung – Kältekammer: Extrem niedrige Temperaturen testen Material- und Schichtverbund bei Minusgraden.

Die Kältekammer ergänzt diese Tests um extreme Kälte. In Kombination mit Salz- und Feuchtigkeitsbelastung entstehen Belastungsprofile, wie sie ein Fahrzeug in einigen Regionen der Welt über die gesamte Lebensdauer erfahren kann.

Die Ergebnisse dieser Prüfungen flossen direkt in die Konstruktion und die Definition der Korrosionsschutzmaßnahmen des Audi 100/200 Typ 44 ein. Dass noch heute viele Exemplare in gutem Blechzustand unterwegs sind, ist nicht zuletzt diesen Entwicklungsaufwänden zu verdanken.

Hinweis zu den verwendeten Pressefotos

Die auf dieser Seite gezeigten Abbildungen sind originale Pressefotos aus einer Audi-Pressemappe aus dem Jahr 1986. Sie dokumentieren exemplarisch die Karosserieproduktion, die Korrosionsschutz- Maßnahmen und die Testverfahren des Audi 100/200 (C3/Typ 44) in dieser Zeit.

Die Bildrechte liegen bei der Audi AG. Die Wiedergabe erfolgt ausschließlich zu dokumentarischen Zwecken im Rahmen der historischen Aufarbeitung der Modellgeschichte des Audi 100/200 Typ 44.