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Geschichtsstunde…

Ausschnitt der Titelseite der Auto Zeitung 1979: der sogenannte Super Audi
Ausschnitt aus der Titelseite der „Auto Zeitung“ Nr. 14 vom 27.06.1979 – der damals so bezeichnete „Super Audi“. Wieviel dieses Auto heute wert wäre, stand leider nicht im Artikel.

„Der Ro 80 ist tot, es lebe der Ro 80…“
So textete die Auto Zeitung 1979, also rund drei Jahre vor dem Erscheinen des Audi 100/200 der dritten Generation – und tatsächlich erinnerte die Form des Neulings in vielen Zügen an den bis 1977 gebauten NSU RO 80.

Ja, sogar die ersten Prototypen des neuen „Super Audis“ trugen den RO80-Schriftzug zur Tarnung am Heck – und das, obwohl beim Typ 44 im Gegensatz zum Vorgänger Typ 43 der Einbau eines Wankelmotors niemals geplant war. Die Erkenntnisse aus Aerodynamik und Design übernahm man bei Audi jedoch gerne vom einstigen NSU-Topmodell.

Die Marke Audi strebte unaufhaltsam nach oben, und der Typ 44 verdeutlicht dies auf sehr anschauliche Weise. Unter Leitung von Ferdinand Piëch entwickelte man in Neckarsulm ein Auto, das nicht nur besonders geräumig und aerodynamisch ausgefeilt sein sollte, sondern darüber hinaus auch wirtschaftlich und umweltfreundlich.

Die entsprechenden Erkenntnisse lieferte die auf der IAA 1979 vorgestellte Studie „Auto 2000“, die Audi in Zusammenarbeit mit dem Bundesforschungsministerium erstellte. Als Topmodell war lange Zeit ein Fahrzeug mit 180 PS Sechszylindermotor im Gespräch, welches die Bezeichnung „Audi 300“ tragen sollte. Aus Rücksicht auf Mercedes verzichtete man jedoch auf diesen Namen und beließ es beim Modell „200“.

Auch die damals in der Presse herbeigesehnten Sechszylinder erschienen erst 1990 mit dem C4; stattdessen setzte man auch beim Audi 200 weiterhin auf den bewährten Fünfzylinder mit Turbolader.

Prototypen, Auto 2000 und erste Hinweise

Prototyp eines Audi 100 Typ 44 mit RO80-Schriftzug am Heck, Wintertests 1979/80
1979/80 – Prototyp mit RO80-Schriftzug am Heck während Wintertests.
Audi 100 Prototyp mit getarnter Front, Testfahrt am Polarkreis 1979/80
1979/80 – Testfahrt am Polarkreis. Die Grundform des späteren Typ 44 stand bereits fest – teilweise sogar mit Peugeot-Emblem an der Front.
Audi Studie Auto 2000, IAA 1979
IAA 1979 – Studie Auto 2000 als Technologieträger für CO₂- und Verbrauchsreduktion.
Titelabbildung Auto Zeitung November 1981 mit frühen Informationen zum neuen Audi 100
1981 – Die Informationen zum neuen Audi 100 verdichten sich; die Fachpresse berichtet ausführlich über den kommenden Typ 44.

Die Öffentlichkeit bekam den künftigen Audi 100 C3 Stück für Stück zu Gesicht: zuerst über Tarnprototypen mit RO80- oder Peugeot-Emblemen, dann über Studien wie den Auto 2000 und schließlich durch Vorabberichte in der Fachpresse. Das Gesamtbild ließ bereits erkennen, dass Audi einen radikal aerodynamischeren Weg gehen würde als viele Wettbewerber.

Größe, Aerodynamik und Fahrleistungen

Audi 100 Typ 44, frühe Version von 1982
1982 – Vorstellung des Audi 100 Typ 44.

Optisch geriet der Neue eine ganze Nummer größer als der ohnehin nicht kleine Vorgänger. Die Länge wuchs auf rund 4,80 m, die Breite auf 1,81 m und die Höhe auf etwa 1,42 m. Der Radstand – und leider auch die Spurweite – blieben dagegen weitgehend gleich, weshalb das Fahrzeug von vorne, insbesondere mit 185er-Serienbereifung, ein wenig „schmalspurig“ wirkt.

Die Karosserie weist eine ausgeprägte Keilform auf, die dem Wagen einerseits ein recht hohes Heck beschert, andererseits aber für einen geradezu gigantischen Kofferraum sorgt (ca. 570 l nach VDA). Auffallend neu waren damals die stark geneigten, rahmenlosen Scheiben. Insbesondere die Frontscheibe ist mit einem Neigungswinkel von etwa 54° sehr flach geraten und führt zu einer deutlichen Aufheizung des Innenraums.

Der Innenraum geriet vor allem in der Länge außerordentlich geräumig. In der Breite wird das Raumgefühl im Kopfbereich etwas durch die stark geneigten Seitenscheiben eingeschränkt. Die ausgeprägten Karosserieeinzüge an Front und Heck sorgten für eine sehr gute Aerodynamik und brachten dem Typ 44 zugleich den Spitznamen „Zigarre“ ein.

Die exzellente Aerodynamik der Karosserie war eine der spektakulärsten Eigenschaften des Typs 44. Neben der Keilform, den rahmenlosen, stark geneigten Scheiben und den Karosserieeinzügen trugen weitere Details – wie die glattflächig gerundete Front und die Gummilippe zwischen Motorhaube und Kühlergrill – zu einem sensationellen cw-Wert von nur 0,29–0,30 bei.

Der Neuling geriet dementsprechend schnell und leise, verglichen mit anderen damaligen Fahrzeugen. So erreichte beispielsweise der Audi 100 mit dem 136 PS Einspritzmotor mühelos eine Höchstgeschwindigkeit von etwa 206 km/h, während der Vorgänger nur rund 188 km/h schaffte. Selbst das 75-PS-Einstiegsmodell lief etwa 165 km/h.

Der 1983 vorgestellte Audi 200 war mit einer Höchstgeschwindigkeit von ca. 230 km/h eine der schnellsten Serienlimousinen der Welt. Sensationell niedrig war für ein Fahrzeug dieser Größenordnung der durchschnittliche Kraftstoffverbrauch. Durch das serienmäßige 4+E-Getriebe in Verbindung mit dem 80-Liter-Tank ergaben sich Reichweiten von ca. 700–1000 km (Audi 100 mit 2,2-l-Motor / 136 PS).

Reaktionen der Fachpresse & der Avant

Die internationale Fachpresse war sich einig: Dieses Auto ist eine Sensation! 1983 erhielt der Audi 100 unter anderem die begehrte Trophäe „Auto des Jahres“ sowie das „Goldene Lenkrad“.

Ebenfalls 1983 erschien die Kombi-/Schrägheck-Variante „Avant“, die mit ihrer großen Heckklappe und dem markanten Heckabschluss einen eigenen Akzent in der Baureihe setzte.

Modellverlauf: Quattro, Verzinkung, Facelift und Sportmodelle

Audi 100 CS quattro, Seitenansicht
1985Audi 100 / 200 quattro bringt den permanenten Allradantrieb in die Typ-44-Baureihe.
Vollverzinkte Karosserie des Audi 100/200 Typ 44
1985 – Einführung der vollverzinkten Karosserie als Meilenstein im Korrosionsschutz.
Audi 100 nach Facelift 1988 mit glatten Türgriffen
1988 – Facelift: glatte Türgriffe, überarbeiteter Innenraum und Detailanpassungen.
Audi 200 Typ 44, repräsentative Limousine
Repräsentative Audi 200 Typ 44-Limousine als Spitzenmodell der Baureihe.
Audi 100 Avant CS quattro Typ 44
Audi 100 Avant CS quattro – der praktische Kombi mit Allradtechnik.
Audi 100 Sport mit verbreiterten Kotflügeln
1989Audi 100 „Sport“ und „Sport exklusiv“ mit sportlicher Optik und Fahrwerksabstimmung.
Audi 200 quattro 20V
1989Audi 200 quattro 20V als leistungsstarke Speerspitze der Baureihe.

Mit dem Einzug von quattro, der Vollverzinkung, den optischen Überarbeitungen ab Modelljahr 1988 und den sportlichen Topmodellen wie dem Audi 100 „Sport“ und dem Audi 200 quattro 20V wurde der Typ 44 stetig weiterentwickelt. Der Wagen wuchs damit endgültig aus der Rolle einer reinen oberen Mittelklasselimousine heraus und ebnete den Weg hin zur späteren Premiumpositionierung der Marke Audi.